Drei Tore für Spanien bei der Fußball-WM gegen Österreich, drei Stunden Theater im Perchtoldsdorfer Burghof: Das ist das Fazit des gestrigen Abends. Unter anderem Erzbischof Josef Grünwidl und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner zogen die Perchtoldsdorfer Premiere von TILL EULENSPIEGEL als Abendgestaltung vor und erlebten fein geschliffenes Sprechtheater vor der historischen Kulisse der Herzogsburg.
Intendant und Regisseur Kubelka rollt breites Zeitpanorama aus
Entlang der schelmenhaften, widerständigen und doch rätselhaften Figur des Till Eulenspiegel, verkörpert von Fabian Krüger, rollt Intendant und Regisseur Alexander Paul Kubelka ein breites Panorama des 16. Jahrhunderts aus. Das von Kubelka designte, rosa getönte Bühnenbild setzt einen starken Kontrast zur schroffen Realität der Handlung, die erschüttert ist von Glaubenskrieg, dörflicher Armut, weltpolitischem Taktieren und einer auf zwei Ebenen unaufgelösten Vater-Sohn-Problematik.
Überzeugende Bühnenkunst des Ensembles rund um Krüger und Seeböck
Eine hochkarätige, eingespielte Formation aus acht Vollblutmimen verkörpert mehr als zwanzig Rollen: eine herausfordernde Leistung, die eine dichte Atmosphäre schafft. Titelheld Krüger, Ensemblemitglied im Burgtheater und am Theater Basel, wird durch Jakob Seeböck, zuletzt 2024 als Amphitryon in Perchtoldsdorf, in der Rolle des düsteren Antagonisten Philipp II. von Spanien austariert. Michael Masula mit Erfahrung im Burgtheater und den Salzburger Festspielen ist Tills Vater Klas, Wiltrud Schreiner die Mutter Soetkin. Susanne Kubelka ist die Nachbarin Katheline und Mutter von Tills Lebensliebe Nele, die von Larissa Fuchs, zuletzt im Ensemble der Josefstadt und 2024 in der Amphitryon-Produktion zu sehen, gegeben wird. Pascal Lalo, Gast unter anderem im Schauspielhaus Zürich, ist Tills treuer Begleiter Lamme. Alexandra Maria Nutz gibt unter anderem den Don Carlos.
„Perchtoldsdorfer Eigenart sommerlicher Theaterkultur“ im Jubiläumsjahr
Perchtoldsdorf setzt im 50. Jahr der Sommerspiele mit der Jubiläumsproduktion nach einem Text Charles De Costers die schon sprichwörtliche „Perchtoldsdorfer Eigenart sommerlicher Theaterkultur“ fort, die in hochkarätiger Schauspielkunst an Hand gegenwartswichtiger Texte fortgesetzt wird. Eulenspiegel ist hier kein Komödiant, sondern Wanderer zwischen Zeiten und Welten, dessen Herzensbotschaft vom Triumph der Liebe dann doch von einem Augenzwinkern begleitet wird. Zu sehen ist TILL EULENSPIEGEL bis 1. August im Burghof im Perchtoldsdorf. Karten sind im InfoCenter im Rathaus (info@perchtoldsdorf.at) und online unter https://shop.eventjet.at/sommerspiele erhältlich, Infos zu den Aufführungen unter: www.sommerspiele-perchtoldsdorf.at