geschichte
| Nach heutigem Kenntnisstand setzt die Siedlungstätigkeit im Raum Perchtoldsdorf bereits im 6. Jahrtausend vor Christi ein. Eine mehr oder weniger längerdauernde Anwesenheit siedelnder und wirtschaftender Menschen seit dem Frühneolithikum im Ortsgebiet ist durch eindrucksvolle Funde belegt. Der Siedlungsschwerpunkt lag zunächst im Gebiet Judenacker - Aspetten (an der Südbahn), eine Verlagerung auf den Hochberg wird erst für die Kupferzeit (3. Jahrtausend vor Chr.) wahrscheinlich. Das römische Perchtoldsdorf lag nach den neuesten Forschungen im Gebiet der Riede Aspetten und damit auf jenem Areal, das bereits in der Jungsteinzeit besiedelt gewesen war. Gründung des Ortes In einer schriftlichen Quelle taucht der Name "Perchtoldsdorf" zum ersten Mal um 1140 auf, das ist etwa zur gleichen Zeit wie die erste urkundliche Erwähnung Wiens, und zwar in einer nicht genau datierbaren Schenkungsnachricht, die im Klosterneuburger Traditionsbuch überliefert wird und bei der ein Heinrich von Perchtoldsdorf, ein babenbergischer Ministeriale, als Zeuge fungierte. Ortsname Perchtoldsdorf Mittelalterlicher Markt 15. / 16. Jahrhundert Türkeninvasion 1529 und 1683 Um 1550 dürfte ein erheblicher Teil der Perchtoldsdorfer Bevölkerung evangelisch gewesen sein, die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts und auch das frühe 17. Jahrhundert waren von den inneren Spannungen im Gefolge von Reformation und Gegenreformation geprägt. Das 17. Jahrhundert stellt für Perchtoldsdorf eine Periode des wirtschaftlichen Niedergangs dar. Schwierigkeiten mit dem Weinabsatz, verschärfter Steuerdruck und fortwährende Truppeneinquartierungen führten zu einem völligen Zusammenbruch der Gemeindefinanzen und zur Verwahrlosung des Ortes. Gerade als sich Ansätze einer Verbesserung abzeichneten, brachte die Katastrophe des Jahres 1683 einen neuerlichen schweren Rückschlag. Etwa ein Sechstel bis ein Fünftel der Bevölkerung fiel dem Türkensturm zum Opfer, kaum ein Haus blieb unbeschädigt, der Ort wurde vollständig ausgeplündert. Der Wiederaufbau nahm Jahre in Anspruch. 18. / 19. Jahrhundert Wie alle kleinen Städte des Landes erhielt Perchtoldsdorf 1785 einen "regulierten Magistrat". Anstelle des bisherigen Marktrichters trat nun ein Bürgermeister an die Spitze der Gemeindevertretung. Die Ansiedlung neuer industrieller Produktionszweige Ende des 18. Jahrhunderts blieb mit Ausnahme einer Baumwolldruckwarenfabrik im Knappenhof ohne nachhaltige Auswirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung des Marktes, die nach wie vor vom Weinbau dominiert wurde. Die Vermietung von Sommerwohnungen erschloß den Perchtoldsdorfern seit dem Vormärz neue Erwerbsmöglichkeiten. Durch die Inbetriebnahme der Kaltenleutgebener Bahn und vor allem der Kraußschen Dampftramway von Hietzing nach Perchtoldsdorf (1883) rückte der abseits der Hauptverkehrslinien liegende Ort näher an Wien heran, was der Entwicklung des Fremdenverkehrs besonders zuträglich war. Den Charakter eines Weinbauortes und einer Sommerfrische konnte Perchtoldsdorf lange Zeit bewahren. Das Auftreten der Reblaus (1887) brachte die Weinbaubetriebe in eine schwere Existenzkrise. Ehemals landwirtschaftliche Kulturflächen wurden ab den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts verstärkt der Verbauung zugeführt, es entstanden die sogenannten Villenviertel am Abhang der Heide. 20. Jahrhundert 1938 verlor Perchtoldsdorf durch die Eingliederung nach Groß-Wien seine kommunale Eigenständigkeit. Der Ort erlebte in den Apriltagen 1945 schwere Zeiten, blieb aber von kriegsbedingter Zerstörung weitgehend verschont. Am 1. September 1954 wurde Perchtoldsdorf wieder selbständige, zum Bundesland Niederösterreich gehörige Marktgemeinde. Das anhaltend starke Bevölkerungswachstum in den Griff zu bekommen, war wohl eine der wichtigsten kommunalen Aufgaben der letzten vierzig Jahre. Daß Perchtoldsdorf an dieser Entwicklung nicht scheiterte, verdankt es in erster Linie dem Weitblick der Verantwortlichen, die - im Wissen um die Beliebtheit des Ortes als Naherholungs- und Ausflugsziel - der Bewahrung des gewachsenen Ortsbildes und der Landschaft ihr besonderes Augenmerk schenkten. "Heute bietet Perchtoldsdorf das Bild einer wohlhabenden Gemeinde mit den üblichen Problemen, die sich aus der Großstadtnähe ergeben, die aber hier in einem gleichzeitigen Abgrenzungs- und Annäherungsprozeß so eingedämmt werden konnten, daß sie nicht bedrohlich erscheinen, sondern vielmehr jenen Anreiz zur fortlaufenden Systemoptimierung bieten, der eine Stagnation verhindert und zur ständigen Herausforderung wird. Diese Herausforderung aufzugreifen und auch für die kommenden Jahrzehnte - und Jahrhunderte - zu lösen, stellt das vornehmliche Ziel des Gemeinderates wie der Bevölkerung dieses uralten Weinortes dar, der seine schmerzlichen historischen Erfahrungen in eine angenehme und überaus erfreuliche Gegenwart umzuformen vermochte." (Günter Treffer, 1982) Literatur: Siedlungsentwicklung Die kleine dörfliche Siedlung um den Burg-Kirchenhügel wuchs im 13. Jahrhundert über den Marktplatz , dessen regelmäßige Gestaltung mit der Pfarrgründung 1217 in Zusammenhang stehen dürfte, hinaus. Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden entlang von Straßen neue Höfe: In der Hochstraße erreichte die Besiedelung Arnstetten, das noch im 14. Jahrhundert ein selbständiges Dorf gebildet hatte, entlang der Wiener Gasse (alter Name "Knappenstraße") und der Brunnergasse griff Perchtoldsdorf nach Osten und Süden aus. Literatur: Wirtschaftliche Entwicklung Perchtoldsdorf besaß im Mittelalter ein für einen Ort seiner Größenordnung recht gut entwickeltes und differenziertes Erwerbsleben. Im Vergleich zu den anderen Sektoren ist auch heute noch die Zahl der Handels- und Gewerbebetriebe relativ hoch. Die meisten von ihnen gehen aber über den Kleinbetriebscharakter nicht hinaus. Der Handel ist starkem Konkurrenzdruck der oft beachtlich größeren Betriebe in Wien und vor allem des nahen Einkaufszentrums SCS ausgesetzt. Dieser Wettbewerbsnachteil wird durch einwandfreie Qualität der angebotenen Produkte und erstklassige fachliche Beratung einigermaßen wettgemacht. Kleinere Defizite in der Nahversorgung (Lebensmittelhandel) konnten in den letzten Jahren im großen und ganzen ausgeglichen werden. Als Standort von Industriebetrieben hat die Marktgemeinde Perchtoldsdorf nie größere Bedeutung erlangt. Der Umstand, daß Perchtoldsdorf keinen direkten Anschluß an das europäische Schienennetz hatte, gewährte dem Ort jene ländliche Ruhe, die ihn zu einer begehrten Sommerfrische für das Wiener Bürgertum machte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bewahrung dieser "Wohnidylle" zur obersten Maxime der Kommunalpolitik (Perchtoldsdorf - "Stätte der Erholung") erhoben. Nur im östlichen Ortsteil der Marktgemeinde ermöglichte der Flächenwidmungsplan 1961 mit der Widmung "Industriegebiet" die Ansiedlung von Betrieben. Hier haben seit den siebziger Jahren mehrere größere Firmen Niederlassungen errichtet. Die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen durch die Marktgemeinde Perchtoldsdorf hat in den neunziger Jahren mit einer weiteren Betriebsansiedelungswelle jene Entwicklung ausgelöst, die für die Marktgemeinde Perchtoldsdorf ebenso wichtig ist wie die Sicherung der Erholungslandschaft und der Lebensqualität ganz allgemein: Die ökonomische Integration der Gemeinde und ihrer Bewohner. Es wird derzeit als wichtige Aufgabe der Kommunalpolitik betrachtet, in diesem Gebiet eine entsprechende Infrastruktur zu schaffen und diese wachstumsbetonende Komponente, die die örtliche Raumordnung hier der Gemeinde eröffnet, auch zu nützen. |
diese 1997 erschienene bibliographie stellt insbesondere im zusammenhang mit der quellenzusammenstellung in dem von silvia petrin/rudolf steuer 1980 herausgegebenen perchtoldsdorfer archivinventar einen wesentlichen beitrag zur geschichtlichen grundlagenforschung dar. preis € 14,20 bezugsquelle: 2380 marktgemeinde perchtoldsdorf, marktplatz 10, InfoCenter |







