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Marktgemeinde Perchtoldsdorf
tourismus
     
 

cc archiv: projekt „waldmühle“ auf perchtoldsdorfer quellgründen
marktgemeinde von stadt wien per ns-gesetz enteignet

Wien ist anders: Mitten im Biosphärenpark Wienerwald soll eine Wohnhaus-anlage mit 450 Wohnungen entstehen. Der Monsterbau auf dem Areal der ehemaligen Zementfabrik Perlmooser steht allerdings auf wackeligen Beinen: Auf einigen der im Bauprojekt enthaltenen Flächen entspringen jene Quellen, die rund 16% des Perchtoldsdorfer Wasserbedarfs decken.

Wien schlägt aus NS-Unrecht Kapital für Monsterbau in Biosphärenpark
Die zugehörigen Grundstücke auf Rodauner Gebiet wurden von Perchtoldsdorf zu Beginn des 20. Jahrhunderts angekauft. Mit der NS-Machtübernahme 1938 wurde die bis dahin selbstständige Marktgemeinde Perchtoldsdorf aufgelöst und das Gemeindegebiet der Stadt Wien (Groß-Wien) zugeschlagen. Damit verbunden war auch der Übergang des Gemeindeeigentums in den Besitz der Stadt Wien. 1954 wurde die Perchtoldsdorf wieder selbständig, die betroffenen Grundstücke, die nunmehr auf Wiener Gemeindegebiet lagen, aber trotz eindeutiger Rechtslage nicht zurückgestellt. Vielmehr wurde noch 1957 das Eigentumsrecht der Gemeinde Wien unter Hinweis auf die NS-Gesetzeslage juristisch höchst fragwürdig im Grundbuch eingetragen. Bereits 1958 verkaufte die Gemeinde Wien die Grundstücke mit erheblichem Gewinn an die Perlmooser Zementfabrik. Bürgermeister LAbg. Martin Schuster ist alarmiert: „Allein die Tatsache, dass die Stadt Wien unsere Liegenschaft unter Anwendung nationalsozialistischer Gesetze erworben und nicht gemäß dem 1. Rückstellungsgesetz 1947 zurückgegeben hat, ist eine gesonderte Überprüfung wert. Dass unter Einbeziehung der 1938 enteigneten Grundstücke nunmehr ein gigantisches Wohnprojekt entstehen soll, dessen Auswirkungen auf Verkehr und Umwelt noch nicht einmal absehbar sind, ist eine Angelegenheit, der wir seit Anbeginn höchst kritisch gegenüberstehen.“ Er ist entschlossen, dagegen sämtliche juristischen und politischen Mittel einzusetzen.

Rückstellung ist gerichtsanhängig
Die Eigentumsklage auf Rückstellung ist bereits gerichtsanhängig und wird mit Hochdruck betrieben. Für Bürgermeister Schuster geht es dabei um mehr als um den bloßen Liegenschaftsbesitz im Kaltenleutgebner Tal: „Bei der Gefährdung der Trinkwasser-sicherheit der Perchtoldsdorfer gibt es für mich keinerlei Spielraum“.

Wien „exportiert“ Verkehrsprobleme
Für die massiven Verkehrsprobleme, die durch die Errichtung der Wohnhausanlage „Waldmühle“ zu erwarten sind, hat die Stadt Wien den betroffenen Anrainergemeinden Perchtoldsdorf und Kaltenleutgeben (die seit 2009 permanent darauf aufmerksam machen) sowie der eigenen Wohnbevölkerung in Rodaun bis dato keine brauchbare Lösung angeboten. Da das Recht auf Erhalt der Lebensqualität – wie sich 2012 gezeigt hat – nicht einklagbar ist, wird Perchtoldsdorf der drohenden Verkehrslawine durch geeignete Maßnahmen auf Perchtoldsdorfer Gebiet begegnen. An einem Umsetzungskonzept wird gearbeitet.
(18.01.2013)

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