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cc archiv: jüdische gedenkstätte im zellpark übergeben
denkmal bei ehemaliger synagoge schafft öffentlichen erinnerungsort

Am 28. Juni vollzogen Bürgermeister Martin Schuster und der Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Paul Eisenberg die Enthüllung der jüdischen Gedenkstätte im Zellpark, die durch Unterstützung der Marktgemeinde, des Landes NÖ, des National- und Zukunftsfonds der Republik Österreich sowie privater Spender ermöglicht wurde. Die bewegende Gedächtnisfeier für die Opfer der Geserah 1421 und der Shoah 1938–1945 in Perchtoldsdorf, an der rund 250 Menschen teilnahmen, wurde vom Oberkantor der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Shmuel Barzilai, Schülerinnen und Schülern der Franz-Schmidt-Musikschule, des Bundesgymnasiums und der Mittelschule Perchtoldsdorf mitgestaltet und musikalisch umrahmt.

30.06.2015 ǀ Der hebräische Begriff Shalom [שלום], der zentral auf der von Dvora Barzilai geschaffenen neuen Bronze-Skulptur steht, bedeutet Unversehrtheit, Heil, Frieden und bezieht sich nicht nur auf Befreiung von jedem Unheil und Unglück, sondern impliziert auch Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit und Ruhe. Vor dem Hintergrund einer neuen Welle des Terrors in Europa und der Ereignisse in Graz werde heute ein Denkmal übergeben, „das uns erinnern soll. Ein Zeichen gegen das Vergessen“, so Vizebürgermeisterin gf. GR Brigitte Sommerbauer bei der Begrüßung der zahlreich erschienenen Gäste, darunter auch die Perchtoldsdorfer Pfarrer Mag. Josef Grünwidl und MMag. Andreas Fasching sowie Mag. Max Kothbauer, Vizepräsident der Österreichischen Nationalbank und Kuratoriumsmitglied des Zukunftsfonds der Republik Österreich. Eine derartige Beteiligung zeige, dass das Denkmal seine Richtigkeit und Wichtigkeit habe.

Ein Ort des „Verortens“
Schuster legte in seiner engagierten Rede ein klares Bekenntnis zu einem respektvollen Miteinander und gegen Ausgrenzung ab, entsprechende Versäumnisse in der Vergangenheit bedeuten einen Handlungsauftrag für Gegenwart und Zukunft. Er sei sicher, dass mit dem Zellpark der ideale Platz für die Gedenkstätte gefunden wurde: „Der Park hat sich durch das Kulturzentrum und den Kindergarten in den letzten Jahren zu einem wichtigen Zentrum entwickelt, hier gehen täglich Hunderte Menschen durch.“ Schon in der 1970er Jahren sei hier mit einem Bildhauersymposium für einen künstlerischen Aspekt gesorgt worden, es lag daher nahe, das Denkmal hierher zu setzen. Noch dazu, wo sich im Mittelalter an Stelle der heutigen Raiffeisenbank die Synagoge befunden habe. Perchtoldsdorf sei ein geschichtsträchtiger Ort, aber mit den dunklen Teilen der Geschichte tue man sich erwartungsgemäß schwer. Dies aufzuarbeiten und ins Bewusstsein einer jüngeren Generation zu bringen, hätten sich die Initiatoren zum Ziel gesetzt. Dafür sei die Zeit immer richtig, auch noch 70 Jahre nach Ende des Terrorregimes: „Es ist wichtig, auch der nächsten Generation und künftigen Generationen Anknüpfungspunkte zu geben, niemals mehr zu vergessen – Orte zu schaffen, wo man gewisse Dinge ,verorten' kann.“ Dank der Künstlerin Dvora Barzilai, die mit großem Einfühlungsvermögen genau das richtige Werk geschaffen habe, und aller anderen, die hier beteiligt waren, sei das gelungen. „Unser Anspruch, unsere Leistung muss es sein, so eine Zeit nicht wiederkehren zu lassen. Nicht nur jener zu gedenken, die auf der Tafel stehen, weil sie ihr Leben verloren haben, sondern auch jener, die Zivilcourage gezeigt haben, weil sie Menschen versteckt haben. Es ist für mich ein wirklich schöner Tag, es ist nicht so selbstverständlich, dass so etwas geschehen ist, und wichtig, dass es passiert.“

Ein Ort des Lernens für die Zukunft
Jeder von uns muss sich die Frage stellen, wie er innerhalb seines Wirkungsbereiches zu einer Kultur von Toleranz und Humanität beitragen kann. Für Paul Chaim Eisenberg, Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, ist das Symbol wichtig, „in einem Park, den ich nicht gekannt habe, das ist ein Ausdruck des Lebens. Dass wir weiterleben und die Möglichkeit haben, dieses Leben weiter zu gestalten. Die Jugend muss lernen und sehen.“

Die Historikerin Dr. Brigitte Biwald erzählte vom Werden der Gedenkstätte. In wissenschaftlichen Projekten hat sich die Erwachsenbildnerin über viele Jahre intensiv mit der Medizingeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts auseinandergesetzt, speziell mit dem Schicksal jüdischer Arztinnen und Ärzte in der Zwischenkriegszeit. Das 2008 erschienene Buch „Jüdisches Leben in Perchtoldsdorf. Von den Anfängen im Mittelalter bis zur Auslöschung in der Shoah“ von Gregor Gatscher-Riedl war schließlich der Auslöser für ihre 2011 begonnenen Themenschwerpunktführungen. Das Interesse an der Wiederentdeckung des verschwundenen jüdischen Perchtoldsdorf war enorm und bestärkte sie in ihrem Vorhaben, ein Zeichen des Gedenkens an die schrecklichen Ereignisse während des NS-Regime zu setzen. Mag. Caroline Handler, die sich von Beginn an bei den Führungen engagierte, regte schließlich die Initiative zur Gedenkstätte an und übernahm die Projektleitung. Als sich herausstellte, dass ein solches Vorhaben weit über die finanziellen Möglichkeiten von einigen Privatpersonen hinausging, wurde 2013 die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) „Projekt Jüdisches Perchtoldsdorf – Initiative Gedenkstätte“ unter der Schirmherrschaft von BGM Martin Schuster gegründet. Die ideelle Unterstützung der Mitglieder des Arbeitskreises und der Institutionen, Spenden aus der Bevölkerung, Subventionen von Bund, Land, Gemeinde und Raiffeisen-Regionalbank trugen maßgeblich dazu bei, dass die Gedenkstätte verwirklicht werden konnte.

Ein Ort des Innehaltens, Gedenkens, Nachdenkens
Projektleiterin Mag. Caroline Handler verlas die Namen der Opfer des menschenverachtenden Terrorregimes, die auf einer Gedenktafel eingemeißelt sind – „Ärzte, Musiklehrer, Buchhalter, Beamte, Geschäftsinhaber, Angestellte, Kunden, Mutter, Vater, Sohn, Tochter, auf jeden Fall Perchtoldsdorfer, Nachbarn“ – und drückte ihre Hoffnung darüber aus, dass mit dem neuen Denkmal im Zellpark „ein Ort des Innehaltens, Gedenkens, Nachdenkens“ entsteht. Die Bronze-Skulptur der österreichisch-israelischen Künstlerin Barzilai, die diese „mit ganzer Kraft und ganzem Herzen“ als 2. Teil eines Dyptichons geschaffen habe, möge „Kraft und Inspiration spenden, um die gewaltigen Herausforderungen des Daseins zu meistern.“ Es ist kein Zufall, dass das Material des Steinsockels aus dem südsteirischen Aflenz stammt. Bei ihrem Einsatz im dortigen Bergwerk kamen in der NS-Zeit 500 Zwangsarbeiter ums Leben.

Der Text des Liedes „Kol Haolam Kulo“, das Shmuel Barzilai zum Abschluss der Feier intonierte, ist übrigens mit dem Text auf dem Sockel des Kunstwerks ident: „Die ganze Welt ist eine sehr schmale Brücke, und die Hauptsache ist, keine Angst zu haben.“

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Pressefoto Ing. Walter Paminger

Feierliche Übergabe des Denkmals am 28. Juni 2015 (v.l.n.r.): Vorne Vizebürgermeisterin Brigitte Sommerbauer, Dr. Brigitte Biwald, Oberkantor Mag. Shmuel Barzilai, Mag. Caroline Handler, Dvora Barzilai, Oberrabiner Paul Chaim Eisenberg, hintere Reihe Dr. Rudolf Biwald, Dr. Christine Mitterwenger, Mag. Max Kothbauer und Bürgermeister LAbg. Martin Schuster.

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