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Marktgemeinde Perchtoldsdorf
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das archiv der marktgemeinde perchtoldsdorf

Schriften sind die Gedanken des Staates, die Archive sein Gedächtnis, formulierte bereits 1798 der deutsche Dichter Novalis in seinem fragmentarischen Werk Blütenstaub. Im allgemeinen ist ein Archiv also als das Gedächtnis seiner Trägereinrichtung, hier der Marktgemeinde Perchtoldsdorf, zu bezeichnen.

Das Wort leitet sich vom griechischen archeion (=Behörde) her und zeigt damit schon die enge Verbindung mit jeglicher schriftlicher Verwaltungstätigkeit. Eine moderne Definition des Begriffes Archiv besagt, dass es sich dabei um eine Einrichtung zur systematischen Erfassung, Ordnung, Verwahrung, Verwaltung und Verwertung von Schrift, Bild- und Tondokumenten bei juristischen oder physischen Personen handelt.

Die historische Entwicklung des Marktarchivs
Die Geschichte des Archivs der Marktgemeinde Perchtoldsdorf lässt sich bis in das Mittelalter zurückverfolgen. Ursprünglich dürften die Perchtoldsdorfer Amtsschriften bei den jeweiligen Marktrichtern oder bei anderen Amtsträgern aufbewahrt worden sein. Das Gebäude Marktplatz Nr. 10 wurde erst im Jahre 1554 als Rathaus in Verwendung genommen, vorher diente der Melker Zehenthof auf der heutigen Parzelle Marktplatz Nr. 20 als Versammlungsort des Rates und wahrscheinlich auch als Aufbewahrungsort der Marktarchivalien. Die erste Aufzeichnung, die die Übernahme von zwölf Markt- und Grundbüchern durch einen Marktrichter erwähnt, stammt aus dem Jahre 1460. Die erste Ordnung der Urkunden erfolgte schon im 15. Jahrhundert. Im Jahre 1556 erhielt der Markt das Patronat über die Pfarre. Dadurch gelangte das Archiv der Pfarre Perchtoldsdorf in das Marktarchiv. Ein im Jahre 1557 angelegtes Inventar aller dem Markte übergebenen Güter (auch der Archivalien) und Besitzungen ist noch erhalten.

Im 17. und 18. Jahrhundert mehren sich die Nachrichten über Archiv und Registratur des Marktes, so erhielten etwa am 3. November 1662 die Ratsherren J. B. Lachner und J. Kainich für die Neueinrichtung der Marktregistratur eine Remuneration. Durch den Türkeneinfall des Jahres 1683 hat das Marktarchiv erhebliche Verluste erlitten - auch mithin die schriftliche Documenta in des gemeinen Marckhts Archiff maistenthaills Ruinirt und verwüstet worden, wie eine zeitgenössische Quelle berichtet. Dabei gingen auch die wahrscheinlich gesondert aufbewahrten Marktprivilegien zugrunde. Die Neuaufstellung von Archiv und Registratur wurde im Jahre 1696 mit der Abfassung eines Inventars abgeschlossen. Marktrichter Jakob Trinksgeld und Ratsherr Kaspar Locher erhielten 1698 für die Durchführung der Ordnungsarbeiten in Archiv und Registratur eine Geldentschädigung.

Anlässlich der Übernahme des Pfarrpatronats durch das Erzbistum Wien musste der Markt die Archivalien der Pfarre im Jahre 1762 an das Archiv der Wiener Erzdiözese abgeben. Die 1762 abgetretenen Urkunden der Pfarre Perchtoldsdorf sind heute der allgemeinen Urkundenreihe des Diözesanarchivs Wien einverleibt.

Im 19. Jahrhundert ist das Marktarchiv schwer vernachlässigt worden. Wertvolle bestände des Marktarchives gelangten damals auf unbekannte Weise in den Besitz verschiedener historisch interessierter Persönlichkeiten, meist aus dem Kreis des Wiener Geschichts- und Altertumsvereins. Aus den Nachlässen Ernst Birks und Albert von Camesinas erwarb das Niederösterreichische Landesarchiv zahlreiche Urkunden, Handschriften und Aktenstücke aus dem Perchtoldsdorfer Archiv.

Im Zeitraum von 1920 bis 1933 beschäftigte sich der Gemeinderat mehrmals mit dem Problem der Neueinrichtung von Registratur, Archiv und Museum, ohne jedoch zu konkreten Ergebnissen zu kommen. In den Gemeinderatsprotokollen des Jahres 1933 wird öfter der Plan der Einrichtung eines Ortsmuseums berührt - nebenbei erfährt man, dass damals Dr. Viktor Jovanovic an einer Neuordnung des Archives arbeitete. Jovanovic hat einige kleinere Beiträge zur Geschichte Perchtoldsdorfs publiziert und einen Bericht über das Archiv hinterlassen.

Nach der Errichtung von Groß-Wien im Jahre 1938 sollte das Perchtoldsdorfer Marktarchiv vom Archiv der Stadt Wien übernommen werden. Der damalige NS-Ortsvorsteher Karl Sänger versuchte dies abzuwenden, indem er Archiv und Museum in eine Stiftung verwandeln und einer noch zu gründenden "Museumsgesellschaft" übergeben wollte. Verwalter dieser Stiftung sollte der akademische Maler Otto Elsner werden. Mit Erlass der Magistratsdirektion Wien vom 27. März 1939 wurde die Sichtung der Archive der eingemeindeten Orte durch das Archiv der Stadt Wien verfügt und am 15. April 1939 der Einziehungsauftrag erteilt, wodurch Karl Sängers Pläne hinfällig wurden. Die Einziehung nach Wien hat das Archiv vermutlich vor schweren Schäden bewahrt, denn es ist anzunehmen, dass das Archiv das Kriegsende 1945 im Orte selbst nicht unversehrt überstanden hätte. Kurz vor Kriegsende entlehnte ein Benützer aus dem Archiv der Stadt Wien einige Handschriften des Perchtoldsdorfer Archivs. Ein Erbe des mittlerweile verstorbenen Benützers hat diese Archivalien im Jahre 1965 dem Archiv der Marktgemeinde zurückgegeben.

Der 1954 verstorbene Archivar der Stadt Wien Dr. Walter Weinzettel, begann um 1950 mit der Ordnung des Perchtoldsdorfer Archivs und führte die heute in Gebrauch stehenden Signaturen ein, die der Signierweise des Wiener Stadt- und Landesarchivs entsprechen. Da die Marktgemeinde mit 1. September 1954 wieder selbständig geworden war, stellte das Wiener Stadt- und Landesarchiv das Perchtoldsdorfer Archivgut im Jahre 1957 zum größten Teil zurück, die letzten Archivalien kehrten im 1993 zurück.

In den Jahren 1958 bis 1970 wurde das Archiv von Hofrat Dr. Rudolf Steuer betreut. Die Archivalien waren damals unzulänglich in einem zu kleinen Raum des Rathauses untergebracht und konnten nur in kleinen Partien verzeichnet werden. Daraus erklären sich einige aufstellungstechnische Nachteile und Inkonsequenzen in der Signierung, die später nicht mehr behoben werden konnten. Seit Oktober 1970 befindet sich das Archiv in der ehemaligen Hausbesorgerwohnung in einem Seitentrakt des Rathauses, Marktplatz Nr. 10. Ab dem Jahre 1970 lag die fachliche Betreuung in den Händen von Oberarchivrat Dr. Silvia Petrin, danach von Dr. Gertrude Langer-Ostrawsky und Mag. Dr. Johannes Seidl. Seit August 1999 werden die Agenden des Archivs von Dr. Gregor Gatscher-Riedl besorgt.

Überblick über den Perchtoldsdorfer Archivbestand
Der Erhaltungszustand der Perchtoldsdorfer Archivalien ist im größtenteils zufriedenstellend. Einige Handschriftengruppen bedürfen allerdings der Restaurierung, einige wenige Aktenbestände weisen Feuchtigkeitsschäden auf. Die meisten Siegel der Urkunden fehlen. Die Urkundenreihe beginnt mit einer Ablassbestätigung vom Jahre 1267 und umfasst einschließlich der Zunfturkunden 99 Stück.

Von den Handschriften ist die 1559 einsetzende Reihe der Ratsprotokolle von besonderem Wert. Eine empfindliche Lücke bildet allerdings das Fehlen der Ratsprotokolle von 1679 bis 1690, weitere Lücken umfassen die Zeiträume April 1731 bis November 1734 sowie die Jahre 1799 bis 1826.

Hinsichtlich des Alters und der Geschlossenheit der Überlieferung ist sodann das steuergeschichtliche Material besonders hervorzuheben, das nicht nur für die lokale, sondern auch für die allgemeine Landesgeschichte von Interesse ist. Die zahlreich erhaltenen Rechnungen der verschiedenen Ämter des Marktes lassen sich nach wirtschafts-, sozial-, kunst- und allgemein kulturhistorischen Gesichtspunkten auswerten. Gleiches gilt auch für die im Zuge vormundschaftlicher Vermögensverwaltung durch den Rat entstandenen Gehabschaftsrechnungen, die speziell für das 16. Jahrhundert einen recht umfangreichen Bestand bilden. Auch die seit dem 16. Jahrhundert vorliegenden Verlassenschaftsakten und Bürgertestamente seinen in diesem Zusammenhang genannt. Nahezu alle Quellengruppen des Perchtoldsdorfer Archivs bieten reiches Material zur Geschichte des Weinbaues. Auch hier geht der Wert der Quellen weit über den lokalen Rahmen hinaus.

Der Marktort Perchtoldsdorf besaß schon im Mittelalter ein verhältnismäßig reich differenziertes Handwerk und Gewerbe. Das Marktarchiv bietet daher auch Material zur Geschichte des Handwerks und der Zunftorganisation des Raumes von Perchtoldsdorf. Besondere Beachtung verdienen ferner Akten zur Geschichte des Manufakturwesens im 18. und 19. Jahrhundert, die für die Bearbeitung der Industriegeschichte des Wiener Beckens herangezogen werden können.

Der seit der Wiedererrichtung der kommunalen Selbständigkeit der Marktgemeinde Perchtoldsdorf im Jahre 1954 angefallene Archivbestand ist in den Kellerräumen des Amtshauses, Marktplatz 11, in modernen Compactusanlagen untergebracht.

Todesurteil 1761
Banntaiding 1550
Individualbeschreibung 1754
Ältester Abdruck des Marktsiegels, 1434

Erstmalige Nennung Perchtoldsdorfs als Markt, 1308

 

allgemeine information

> organisation
gemeindeverwaltung
> ansprechpartner/in
dr. gregor gatscher-riedl
> büro
2380, marktplatz 11
> telefon
01/866 83-250
> email
 
 
> inventar des archivs der 
   marktgemeinde perchtoldsdorf
   zum download


> schriftenskriptum zum download
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